Werbung

Werbung

Werbung

„Werthers Nachfahren“

Alexander Schimmelbuschs Folgeroman „Blut im Wasser“

© Die Berliner Literaturkritik, 31.08.10

MÜNCHEN(BLK) – Der Kriminalroman „Blut im Wasser“ des Autors Alexander Schimmelbusch ist im August 2009 im Blumenbar Verlag erschienen.

Klappentext: In klarer und kalter Sprache erzählt Alexander Schimmelbusch die Geschichte von Pia und Alex, zweier Frankfurter Vorstandskinder, die in ihrer Jugend unzertrennlich waren und sich seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Beide leben inzwischen in den luxuriösen amerikanischen Anwesen ihrer verstorbenen Eltern. Alex besucht Empfänge, hat Affären, geht im Schneetreiben spazieren. Pia, die weiß, dass sie den Frühling nicht mehr erleben wird, will ihn wiedersehen. Sie ahnt, dass er sich über die Feiertage nach Montauk zurückgezogen hat, und bricht auf zu einer letzten Reise. Alexander Schimmelbusch seziert ein gesellschaftliches Milieu, das dem Überdruss und der Verachtung nur die Zerstreuung und den verfeinerten Konsum entgegenzusetzen hat. Ein gleichgültiges, von ökonomischen Zwängen befreites Dasein, das erst in der Konfrontation mit seiner Endlichkeit wirklich spürbar wird.

1975 wurde Alexander Schimmelbusch geboren. Er wuchs in New York auf, studierte in Washington DC Volkswirtschaftslehre und Germanistik und verbrachte im Anschluss fünf Jahre als Berater bei Fusionen und Übernahmen im Dienst einer Investmentbank in London. (ros)

Leseprobe:

©Blumenbar Verlag©

alex

Als ich aufwache, habe ich einen trockenen Rieslinggeschmack im Mund. Ich liege reglos da, in einem leeren Raum, nackt unter einem dünnen Laken. Die gläsernen Wände, die mich umgeben, sind vereist, die kahlen Zweige hinter ihnen sind nur als graphische Strukturen sichtbar. Mein Haus ist nicht beheizt, aber mein Atem bildet keine Dampfwolken. Für einen Augenblick habe ich Angst, dass ich in der Nacht gestorben bin. Ich stehe auf und schleppe mich ins Badezimmer, wo ich den Spiegel mit einem Handtuch verhänge. Ich habe keine Pläne für den Tag, ich habe Nasenbluten und Sehstörungen und Schmerzen in meiner Brust, für die ich keine harmlose Erklärung habe. Ich drehe am Wasserhahn und beuge mich nach vorne, nehme behutsam drei tiefe Schlucke, bevor ich meinen Kopf unter den eiskalten Schwall strecke. Den Versuch, meine Zähne zu putzen, muss ich sofort wieder abbrechen, da die Vibrationen der elektrischen Bürste Kopfschmerzen wecken. Von meinem Schreibtisch aus habe ich einen unverbaubaren Blick über den Fluss hinweg auf die Bürostädte am gegenüberliegenden Ufer. Die Zimmer sind spärlich möbliert, einige stehen leer; die Böden sind mit Platten aus Travertin ausgelegt. Ich habe mir den Grundriss meines Hauses offenbar so gut eingeprägt, dass ich mich darin auch bei Finsternis in gewohnter Geschwindigkeit fortbewegen kann, ohne irgendwo anzustoßen. Diese Tatsache ist mir irgendwann einmal im Zuge eines Stromausfalls bewusst geworden, als ich, nachdem in derStadt die Lichter erloschen waren, meinen Ablauf fortsetzte, als wäre nichts geschehen. In der sprudelnden Hitze unter der Oberfläche wird mir schwarz vor Augen. In meinem Zustand schwimmen zu gehen ist zweifellos gefährlich, aber ich weiß: wenn ich nicht regelmäßig Sport treibe, vergreise ich. Stoisch beginne ich daher, meine Bahnen zu ziehen. Angst vor dem Ertrinken, denke ich mir, kann man mühelos verdrängen. Man kann in die Großstadt ziehen, sich eine Aufgabe suchen, sein Glück finden. Man kann, wie ich mir denke, während ich eine formvollendete Wende abschließe, sich ein Lächeln aufsetzen. Über die hintere Treppe gelange ich in meine aus Deutschland importierte Küche, die in ihrer Reduktion, wie es Amy formulierte, als sie vor Kurzem bei mir zum ersten Mal zu Gast war, an einen Obduktionssaal erinnert. Vor der offenen Tür des Kühlschranks beginne ich damit, eine Flasche fettarme Milch zu leeren. Ich konzentriere mich dabei auf die Schluckgeräusche, die in meinem Kopf zu hören sind, und spiele mit dem Gedanken, mir eine Zeitung auszudrucken, verwerfe diesen aber, da ich mich momentan noch nicht in der Lage fühle, mich für irgendetwas zu interessieren.

©Blumenbar Verlag©

Literaturangabe:

SCHIMMELBUSCH, ALEXANDER: Blut im Wasser. Blumenbar Verlag, München 2009. 126 S., 16,90 €.

Weblink:

Blumenbar Verlag


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: