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„Ende der Märchenstunde“

Kathrin Hartman prangert den Trend der Lifestyle-Ökologie an

© Die Berliner Literaturkritik, 31.08.10

MÜNCHEN (BLK) – Der Karl Blessing Verlag hat im Herbst 2009 den bitterbösen Erstling „Ende der Märchenstunde“ von Kathrin Hartmann veröffentlich. In ihrem Buch setzt sich die Journalistin mit dem Trend der „Lifestyle-Ökologie“ auseinander. Sie kritisiert, dass die einzige Form des Protests, den die junge Generation noch kennt, klimaneutrales und ökologisch unbedenkliches Shoppen ist.

Klappentext: Sie sind gebildet, vermögend und bestens gelaunt. Denn sie wissen, dass man durch qualitätsbewussten Konsum die Welt verbessert: Indem sie es sich richtig gut gehen lassen, retten die Lohas uns alle. Früher prägten gesellschaftliche Ereignisse und Revolten eine Generation. Das hat sich spätestens in den Neunzigerjahren verändert: Die Heranwachsenden bezogen ihre Identität nicht mehr aus kollektiven Protesterlebnissen, sondern aus dem Konsum von Marken. Daher zielt die öffentlich wahrnehmbare Sehnsucht heute nicht mehr auf eine bessere Welt, sondern auf bessere Produkte. Aus gesellschaftlichen Bewegungen sind bloße Stilgemeinschaften geworden. Deren wichtigste ist die der Lohas. Sie glauben, Hedonismus und Moral, Egoismus und Gesellschaftsveränderung verbinden zu können: im politischen Akt des richtigen Shoppens. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen Lohas werden.

Kathrin Hartmann wurde 1972 in Ulm geboren. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie Kunstgeschichte, Philosophie und Skandinavistik in Frankfurt am Main.  Bereits während ihres Studiums arbeitete sie als freie Autorin für die „Frankfurter Rundschau“, „taz“ und „Titanic“. Nach einem Volotariat bei der „Frankfurter Rundschau“ arbeitete Hartmann von 2006 bis 2009 als Redakteurin bei „Neon“. Heute lebt lebt und arbeitet sie in München. (len)

 

Leseprobe:

©Karl Blessing Verlag©

 

Wenn man heute seinen Einkaufswagen durch die Gänge eines gewöhnlichen Supermarkts schiebt, könnte man auf die Idee kommen, die Weltrettung stünde unmittelbar bevor: Wer einen Kasten Krombacher-Bier kauft, rettet einen Quadratmeter Regenwald. Der Mineralwasserhersteller Volvic spendiert Brunnenwasser für die Sahelzone, Ritter Sport zahlt pro Tafel 1,4 Cent für Schulmaterial in Afrika, Blenda-med einen Cent für ein Gesundheitszentrum in einem SOS-Kinderdorf. Mit Dosenmilch kann man Bären retten, mit Klobrillen Delfine, mit Putzschwämmen die Artenvielfalt, und mit dem richtigen Waschmittel kann man Energie sparen. Selbst Lidl, Plus und Aldi haben Bio im Regal stehen, und wer einige der jährlich von Iglo (!) hergestellten 500 Millionen (!!) Fischstäbchen (!!!) isst, trägt zum Schutz der Meere bei. Wer Bionade trinkt, trinkt nicht nur einen Öko-Sprudel aus der Rhön, sondern das „offizielle Getränk einer besseren Welt“ – und dürfte sich angesichts der mehr als 200 Millionen verkauften Flaschen pro Jahr4 schon fast im Paradies wähnen. Mit Holzskiern aus nachwachsenden Rohstoffen kann man in einem „klimaneutralen“ Skiort nachhaltig die Berge kaputt fahren, und Wedding-Planer bieten „grüne Hochzeitsfeiern“ an: Bei diesen ist das Kleid aus nachwachsenden Rohstoffen, das Essen öko, die Einladung auf Recyclingpapier gedruckt – das passt besonders gut, wenn man seinen Partner in einem „Green“- oder „Ethical Dating“-Portal gefundenhat. Und selbst ein Grillabend ist praktizierter Klimaschutz, sofern die richtige Bratwurst auf dem Rost liegt, denn, Achtung: „Superwurst rettet die Welt“ , hurra, es gibt die erste „klimaneutrale“ Bio-Bratwurst, und damit muss auch niemand mehr seinen nicht nur ethisch, sondern auch ökologisch fragwürdigen Fleischverzehr überdenken.

 

©Karl Blessing Verlag©

Literaturangabe:

HARTMANN, KATHRIN: Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt. Karl Blessing Verlag, München 2009, 384 S., 16,95 €.

Weblink:

Karl Blessing Verlag

 


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