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Die Wehrmacht im Dritten Reich

Fünf persönliche Berichte über die Wahrheiten der Wehrmacht

© Die Berliner Literaturkritik, 02.03.10

Von Ariane Stürmer

Täter? Opfer? Willige Vollstrecker? Über die Rolle der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg sind bereits zahlreiche Bücher geschrieben worden. Die Wehrmachtsausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung haben seit Mitte der Neunziger Jahre die Diskussion immer wieder neu angefacht. Warum aber wird die Geschichte der deutschen Soldaten auch heute noch mit solcher Vehemenz geführt? Weil die bis zu 18 Millionen Menschen, die zum Teil an Gräueltaten beteiligt waren, unsere Angehörigen sind – so erklärt es Christian Hartmann in seinem jetzt erschienenen Buch „Wehrmacht im Ostkrieg – Front und militärisches Hinterland 1941/42“.

Es geht, das sagt der Titel, um die Wehrmacht in der Sowjetunion. Und die Hauptfrage, die die Studie zu klären versucht, ist die „Frage nach den Strukturen dieser Armee und nach den Strukturen ihres Einsatzes.“ Denn bis heute ist es für Historiker nur schwer fassbar, wie groß die Wehrmacht tatsächlich war, welche Funktionen sie hatte und welche Macht. Um einen Überblick im Wirrwarr der Quellen zu erhalten, hat Hartmann seinen Bericht auf drei Aspekte beschränkt: auf die Teilstreitkraft Heer, auf den Teilkrieg mit der Sowjetunion und auf dessen erste Jahre.

Hartmann sucht nach den Spuren einzelner Individuen, wie also ein Soldat des Heeres in der Sowjetunion zwischen 1941 und 1942 agierte und reagierte, was er tat, was er tun musste, was er nicht tat. Der Autor hat zahlreiche Quellen ausgewertet wie Befehle, Meldungen, Kriegstagebücher, Tätigkeitsberichte, Nachlässe, Feldpostbriefe, Erinnerungsliteratur, Personal- und Geschichtsakten. Fünf Personen aus fünf unterschiedlichen Divisionen hat Hartmann herausgegriffen, weil es von ihnen eine Vielzahl persönlicher Quellen gibt. Es sind Fritz Farnbacher aus einer Panzerdivision, Ludwig Hauwedell und Hans Reinter aus Infanteriedivisionen, Johannes Gutschmidt aus einer Sicherungsdivision und der „Korück“, der „Kommandant rückwärtiges Armeegebiet“ Konrad Jarausch.

Fünf Divisionen sind es, die Hartmann schließlich als Modell für die Ost-Wehrmacht wählte. Denn im Kleinen lässt sich am besten darstellen, was im Großen vielfach geschah. Aufbauend auf dieser Quellenlage hat der Autor sein Buch in fünf Hauptkapitel gegliedert: Formationen, Soldaten, Krieg, Räume und Verbrechen. Rund 930 Seiten umfasst der Band, ein rund 120 Seiten starker ausführlicher Anhang mit Register, Quellen- und Literaturverzeichnis rundet das Buch ab. 

Erschienen ist es in der Reihe „Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte“ des Instituts für Zeitgeschichte. Die Studie ist Teil des Projekts „Wehrmacht in der nationalsozialistischen Diktatur“. Zahlreiche Publikationen sind in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren erschienen, die zur Debatte über die Wehrmacht bereits erheblich beigetragen haben.

Hartmanns Buch wendet sich an Fachpublikum. Es ist kein populärwissenschaftlicher Abriss, sondern eine wissenschaftliche Studie, die die Diskussionen über die Rolle der einzelnen Wehrmachts-Angehörigen im Ostkrieg Anfang der vierziger Jahre neu beleben dürfte.

 

Literaturangabe:

HARTMANN, CHRISTIAN: Wehrmacht im Ostkrieg. Front und militärisches Hinterland 1941/42. Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 75, München 2009. 928 S., 59,80 €.

 

Weblink: Insitut für Zeitgeschichte

 

 


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